SEO für Manager und Geschäftsführer

Jeder im Unternehmen sollte „SEO machen“. Doch nicht jeder muss sich mit allen Details beschäftigen. In unserer Serie „SEO für Nicht-SEOs“ will ich den Geschäftsführern ein paar Ratschläge geben, wie sie mit diesem sperrigen Thema umgehen können.

seo für manager und geschäftsführer

© lichtmeister – Fotolia.com

Zwei Botschaften sind wichtig: Erstens wird SEO ohne den Chef nicht funktionieren. Zweitens sollte der Geschäftsführer die Leute ihre Arbeit machen lassen, die sich damit auskennen. Wie passt das zusammen?

Das erinnert mich ein wenig an den Tipp, den man Unternehmern gibt. Sie sollen „am Unternehmen“ arbeiten und nicht „im Unternehmen“.

Ähnlich ist es mit der Suchmaschinenoptimierung und Geschäftsführern und anderen Führungskräften: Achte darauf, ob SEO gerade das richtige Mittel für den Absatz und den Vertrieb ist. Schau, dass das Team einsatzfähig und mit Ressourcen ausgestattet ist. Und verfolge die Erfolge mit kritischem Blick. ABER: Mach nicht selber SEO! Dein Job ist es nicht, über H1-Headlines, Speaking URLs und Keyword-Density nachzudenken. Akzeptiere, dass sich andere darüber schon länger den Kopf zerbrochen haben. Vertraue ihnen. Wenn das nicht möglich ist, stelle sicher, dass du jemanden findest, dem du vertrauen kannst. DAS ist dein Job.

Was der Chef konkret tun kann

Nun gut, das beschreibt aber nur allgemein die Haltung, die der Geschäftsführer zur Suchmaschinenoptimierung einnehmen kann. Es gibt 5 Dinge, die er ganz konkret und operativ tun kann.

1. Verständnis entwickeln

Auch, wenn die detaillierte Beschäftigung mit Speaking URLs bei einem Geschäftsführer in der falschen Besoldungsstufe wäre, sollte jeder Verständnis für SEO entwickeln. Und zwar weniger für technische Details als für den SEO-Markt und das Marktgeschehen. Aufgeschnappte Details über Ranking-Faktoren führen im besten Fall zu ungesundem Halbwissen im schlechteren Fall zu einer heillosen Verwirrung. Ein Gespür, was in der Branche los ist, wie vertrauenswürdig die Player sind und welche Mechaniken eine Rolle spielen – das ist etwas, was Manager und Geschäftsführer meist sehr gut verstehen. Und was sie verstehen müssen!

Deshalb lies keine kilometerlangen Manuals über Ranking-Faktoren sondern sprich mit SEOs, mit seo-erfahrenen Partnern und beobachte das Verhalten des gemeinen SEOs – zum Beispiel auf der einen oder anderen Konferenz.

2. SEO initiieren, Team zusammen stellen

Egal, ob es ganz neu los geht, mit SEO, oder wieder etwas mehr Schwung in die Suchmaschinenoptimierung gebracht werden soll: Das geht nicht per Aktenvermerk oder als Kurz-Mitteilung im Fahrstuhl („Hallo Herr Meyer. Sie sind doch für dieses SEO verantwortlich? Ich finde, wir sollten uns da ein wenig mehr anstrengen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir demnächst einige Erfolge präsentieren könnten. Schönen Tag noch.“)
Wenn der Chef SEO will, muss er das ziemlich laut sagen. Und zwar so, dass es auch alle anderen hören.

Meiner Erfahrung nach scheitern SEO-Projekte fast nie am Fachwissen der Beteiligten sondern – wenn überhaupt – am Widerstand der Nicht-Beteiligten.

Klar: Damit das Projekt erfolgreich wird, brauchen wir das Marketing, den Vertrieb, die Technik, die Redaktion und natürlich das Produktmanagement. Versucht nun ein einfacher Mitarbeiter z.B. aus der Technik oder aus dem Marketing all diese Abteilungen zu koordinieren, wird er mit Sicherheit scheitern. Bekommt er aber die Protektion der Geschäftsführung, hat er zumindest eine realistische Chance. Am sichersten sitzt der SEO jedoch auf einer Stabsstelle, gleich neben der Geschäftsführung. Auch, wenn das nicht immer möglich ist…

Und immer braucht der SEO im Team  die besten Leute in den wichtigsten Abteilungen, die mit ihm in die gleiche Richtung ziehen. Auch hier gilt: Der Redaktions-Praktikant wird damit überfordert sein, einem kritischen Ressort-Chef die redaktionellen Maßnahmen zu verkaufen. Deshalb sollten nur die besten und engagiertesten Leute ins SEO-Team. Auch, wenn das nicht immer möglich ist…

Doch, hey: Du bist Manager! Und du weißt, dass gute Arbeit darin besteht, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen.

3. Ressourcen bereit stellen

Es klingt immer ziemlich unmenschlich, wenn man von „Human Resources“ spricht – aber das ist es nun mal, was wir brauchen. Und natürlich alle anderen Ressourcen auch.

  • das Team braucht Zeit für seine Arbeit
  • das Team braucht ein Budget für technische Maßnahmen (und auch die entsprechende Priorisierung)
  • der SEO braucht Budget für Tools und Weiterbildung (ja, denn selbst wenn er heute alles wüsste, ist die Google-Welt in sechs Monaten schon wieder eine andere)
  • das Projekt braucht Unterstützung von außen (Berater, Linkbuilding, Content u.s.w.)

Und all dies sind auch Investitionen in die Zukunft und KEINE Ausgaben, die sich sofort oder auch nur im gleichen Geschäftsjahr bezahlt machen. Meist dauert der Erfolg von SEO-Maßnahmen über den Jahresabschluss hinaus…

4. Den Fachleute vertrauen – und priorisieren

Das ist für manche Manager das Schwierigste: Vertraue deinem Team! Quäle sie nicht mit dem Umbau der URL-Struktur, wenn die Kollegen der Meinung sind, dass die Content-Optimierung derzeit wichtiger ist. Denn sie haben sich einfach länger damit beschäftigt als du. Vergiss das nicht.

Doch was ist zu tun, wenn es einen Konflikt gibt? Wenn der SEO den Umbau der Shop-Detail-Seite anmahnt, aber das Produktmanagement die Änderungen nicht will und die Technik ohnehin der Meinung ist, dass andere Themen anstehen? Dann ist deine große Stunde gekommen. Du bist Manager, verhalte dich also wie einer: Vertraue „deinen“ Leuten (also dem Produktmanagement, der Technik und den SEOs), höre ihnen allen zu und priorisiere dann. Sei dir der Späne bewusst, die anfällt wo gehobelt wird und triff Entscheidungen die du nachher auch verantworten kannst. Aber das muss ich dir ja nicht erklären…

5. Begleite das Team

Der Deal ist einfach, ebenso wie zwischen uns (als Agentur) und unseren Kunden: Wir kennen uns mit SEO ziemlich gut aus, unsere Kunden kennen ihr Geschäft viel besser wie wir. Und so ist das auch im Unternehmen: Das SEO-Team mag zwar ziemlich gut wissen, wie es die Rankings und damit auch den Traffic nach oben bringt. Aber in welchem Geschäftsbereich sich das lohnt und ob das auch einen Deckungsbeitrag leisten kann, das wissen nur die Manager. Ihr solltet also die Köpfe und damit eure Kompetenzen zusammen stecken. Hier kommt, was das SEO-Team von dir als Geschäftsführer erwarten darf:

  • Einblick in die mittel- bis langfristige Produkt-Strategie
  • valide Zahlen über Conversions und/oder zumindest Bewertungen von Produkten und Bereichen
  • alle Statistiken der Webseite
  • geplante Änderungen daran

Und, vielleicht am wichtigsten: Gib dem SEO klare Angaben, was und wie er regelmäßig an dich berichten soll. Sprich mit ihm über die Form und den Inhalt des Reportings. Und zwar exakt so lange und häufig, bis du die Zahlen bekommt die du brauchst – und die er liefern kann. Auch das braucht Zeit – vertieft aber für beide Seiten das Verständnis darüber, was die andere Seite will und kann.

Jeder tut das, was er am besten kann

Redakteure recherchieren und schreiben, Produktmanager entwickeln Produkte und SEO kümmern sich um gute Rankings für die richtigen Keywords bei Google & Co. Und Manager managen das alles. Es gibt nur wenige Disziplinen im Unternehmen, die sich so durch alle anderen Abteilungen ziehen wie die Suchmaschinenoptimierung. Aber das ist auch die spannende Herausforderung für einen Geschäftsführer. Denn, wie gesagt:

Ohne dich wird das alles nichts. Deshalb beschäftige dich nicht mit den Details – sondern steuere den Prozess!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (7)

  1. Heiko Stiegert

    Um deinen Artikel mal mit einem Sprichwort zu beantworten – Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen (und vollständig versenkt)! Klasse Artikel, Eric!

  2. anirmalarajah

    Feiner Rundown, der Erinnerungen weckt. Gerade an der Zusammenarbeit hapert es ja am meisten, das gegenseitige Verständnis zwischen Geschäftsführern und SEO-Managern ist nicht immer ausreichend ausgeprägt. Aber genau dafür hat man ja die Aufgabenteilung erfunden. Solange man Herr auf seinem eigenen Feld bleibt, seine individuellen Ideen zusammenbringt und so  aus unterschiedlichen Perspektiven ein Projekt angeht, ist alles gut. Aber das ist in der Praxis oft leichter gesagt als getan. 😉

  3. Alinr

    „Sei dir der Späne bewusst, die anfällt wo gehobelt wird und triff Entscheidungen die du nachher auch verantworten kannst.“
    Danke für diesen schönen Satz!

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