„Disavow Links“: Wird es jetzt wirklich so einfach, Backlinks zu entwerten?

Es ist so etwas wie ein „nofollow“ – nur aus der anderen Richtung: Laut Matt Cutts können Webseitenbetreiber nun Links, die auf sie zeigen, für „ungültig“ erklären – also entwerten. Ist  das Tool „Disavow Links“ die einfache Lösung für alten Backlinkspam? Wohl kaum…

Jetzt vorsicht! Selbst Matt Cutts warnt vor unbedachtem Einsatz des Tools.

Jetzt vorsicht! Selbst Matt Cutts warnt vor unbedachtem Einsatz des Tools.

So funktioniert das „Disavow Links“ Tool

Das Tool gehört zu den Google Webmaster Tools, ist aber (zumindest derzeit) noch nicht darin verlinkt. Man muss also via SEO-Öffentlichkeit davon erfahren. Hier der Link zum Tool. Um es erreichen zu können, muss man in den Google Webmaster Tools eingeloggt sein.

Von dort wählt man die Domain aus, um die es geht. Möglich ist das übrigens nur für den Besitzer der Domain, damit verbundene Accounts können das Tool nicht nutzen – egal, wie viele Rechte sie haben.

Dann kann man eine einfache Textdatei mit den zu entwertenden Links hoch laden, diese sollte etwa so aussehen:

# Contacted owner of spamdomain1.com on 7/1/2012 to
# ask for link removal but got no response
domain:spamdomain1.com
# Owner of spamdomain2.com removed most links, but missed these
http://www.spamdomain2.com/contentA.html
http://www.spamdomain2.com/contentB.html
http://www.spamdomain2.com/contentC.html

Im Oberen Bereich werden die Links einer kompletten Domain gesperrt (mit „domain:“ voran gestellt). Darunter sieht man, wie einzelne Links entwertet werden.

Pro Domain darf man eine Datei hoch laden, will man diese ändern, muss man diese downloaden und aktualisiert wieder hoch laden. Das klingt nach Beta-Stadium und wir werden über die Funktionen sicher noch mal reden müssen.

Wer wegen schlechtem Linkaufbau eine Penalty bekommen hat und das Tool verwendet hat, sollte ein paar Wochen warten, bis die Links auch wirklich entwertet sind (so lange dauert das lt. Cutts) und muss dann trotzdem noch einen Reconsideration Request stellen.

Um welche Links es geht

Kaum jemanden ist klar, was wirklich Spam-Links sind. Matt Cutts zählt auf: Blog-Spam, Kommentar-Spam, Foren-Spam, Gästebucher, bezahlte und weit verbreitete „Low-Quality“-Artikel. Allerdings dürfte diese Liste nicht vollständig sein, es gehören sicher noch Bookmark-Spam, Footerlinks u.s.w. dazu. Um diese zu finden, empfiehlt er, sich die Liste der eingehenden Links in den Google Webmaster Tools anzuschauen. Ich bezweifle aber, dass dort alle Spam-Links enthalten sind…

Was zu beachten ist

Achtung: Für Google ist die Liste, die man per „Disavow Links“ Tool hoch lädt, eher ein Vorschlag, eine Bitte. Matt Cutts vergleicht es mit dem Canonical Tag, das Google auch nicht unbedingt befolgen muss – im Gegensatz zu einem Eintrag in der robots.txt, der immer beachtet wird. Überhaupt warnt selbst Cutts vor dem unbedachten Einsatz des Tools und er scheint sich dessen Funktion und was daraus werden soll, nicht sicher zu sein. Kein Wunder. Denn es gibt eine Menge Punkte, die uns misstrauisch machen sollten:

  • Was ist von einem Tool zu halten, das sicher nur in SEO-Kreisen Verwendung findet? Jeder „Normalo“ mit einer normalen Webseite wird dieses Tool nicht verwenden (können). Denn, selbst wenn er davon erfährt und es technisch bedienen kann: Woher sollte er wissen, welche Links mies sind und welche nicht?
  • Google empfiehlt das Tool erst zu verwenden, wenn man versucht hat, die Links irgendwie sonst aus der Welt zu schaffen.
  • Überhaupt: Woher weiß man denn, welche Links man entfernen möchte? Doch eigentlich nur, wenn man weiß, dass man Mist gebaut hat. Deshalb führt Google den Blogpost auch mit den Nachrichten bezüglich Linkspam ein und lädt alle zur Nutzung des Disavow Link Tools ein, die einen Blauen Brief bekommen haben.
  • Den größten Nutzen dürfte Google selbst von dem Tool haben. Denn wer aus der SEO-Szene eine Liste der Links an Google meldet, die seiner Meinung nach Spam sind, der liefert Tante G damit natürlich eine Liste von Spam-Domains. Der Missbrauch ist also mit einprogrammiert – ein guter Grund, warum Google die Listen sehr vorsichtig (wenn auch sehr interessiert) zur Kenntnis nehmen wird.

Fazit

Wegen all dieser Unwägbarkeiten, rate ich nur wenigen, das Tool auch wirklich zu verwenden. Und zwar allen, die schon einen Blauen Brief bekommen haben und mit dem Linkabbau nicht weiter kommen. Allen, die nur das Gefühl haben, dass schlechte Links auf sie zeigen, sollten sich zurück halten. Ich denke es ist wichtig, die nächsten Wochen und Monate abzuwarten, welche Erfahrungen es damit gibt.

Mehr dazu: Official Google Webmaster Central

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (15)

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  3. vanSEO

    Wow, da hat Matt Cutts bzw. Google ja mal wieder einen rausgehauen. Wie du schon schreibst, Eric, das Tool wird wohl vom Großteil der Google Webmaster Tools nicht (richtig!) bedient werden können. Und das ist in letzter Zeit irgendwie immer häufiger so. Google wirft Tools und Tags raus, die der Großteil der Seitenbetreiber nie wirklich bedienen können wird. Aber vielleicht sollten wir als SEOs das auch positiv sehen, immerhin sichert uns das den Job. Soviel zum Thema „SEO ist tot.“ 😉

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