Suchreichweite, was könnte das eigentlich sein?

Auf der SEMSEO hat Uwe Tippmann von Abakus den Begriff „Suchreichweite“ angestoßen. Das halte ich für eine gute Diskussion. Die Lösung aber, die er mit dem neuen Abakus-Tool „SEO Diver“ vorgestellt hat, halte ich für, tja, sorry, diskussionswürdig.

Die Idee ist, über die Beobachtung des Suchverhaltens von konkreten Menschen (also einem Panel) bessere Ergebnisse zu erzielen als über die Algorithmen „herkömmlicher“ Tools. Das klingt jedoch nur auf den ersten Blick plausibel. Denn mir leuchtet nicht ein, wie man gerade im Longtail (und darauf liegt ja die Betonung von Abakus) zu validen Zahlen kommen will. Denn wenn ich die Suchreichweite einer Webseite in Kenia (das war ein Beispiel von Uwe) für ein Longtail-Keyword erfahren möchte, brauche ich jemanden in Kenia, der das Keyword eingegeben hat und am Panel teilnimmt…

Nun, Abakus hat zum Panel nichts verraten, deshalb wird man sehen, wie viele Menschen daran teilnehmen und wie diese zusammen gestellt sind. Ich habe große Hochachtung vor Abakus und setze darauf, dass wir bis Mai (der vermeintliche Start des SEO Divers) befriedigende Informationen kommen werden.

Mir gefällt aber der Begriff „Suchreichweite“ auf jeden Fall sehr – und diesen müssen wir besprechen. Denn das ist etwas, was die werbetreibende Wirtschaft kennt – und auch versteht. Hier kann und sollte man ein wenig von denen lernen, die seit Jahrzehnten mit dem Begriff „Reichweite“ arbeiten, nämlich von der Print-Presse und den Seiten, die auf klassische Online-Reichweite angewiesen sind, also den IVW-geprüften Webseiten.

Ganz allgemein: „Suchreichweite ist die Zahl der Personen, die eine Seite über die Suchergebnisse erreicht.“ So weit so gut. Aber was heißt das? Hier sollte man drei „Suchreichweiten“ unterscheiden:

Sichtkontakte

Das sind Positionierung pro Suchergebnisseite in Info-Index, Universal Search und AdWords pro Keyword und Abfragehäufigkeit. Also: Wie viele User haben meine Site auf Google gesehen. Das entspricht einer Displaywerbung, die im „normalen“ Online-Marketing immer noch über TKP, also Tausenderkontaktpreis bezahlt wird. Hierzu gibt es einige Tools, die halbwegs verwendbare Daten bereit halten. Etwa die Sistrix Toolbox mit ihrem Sichtbarkeitsindex und Searchmetrics, wo sogar noch deutlich mehr Suchworte abgefragt werden und auch die Universal Search kummliert dargestellt wird.

Das ist eine „verstehbare“ Sichtbarkeit und diese Zahlen können sogar noch mehr, denn zeigen nicht nur die potentiellen Sichtkontakte, sondern auch die Position auf der Seite. Dies sind also sogar „gewichtete“ Sichtkontakte.

Visits

Das sind Besucher, die über die Suchmaschinen auf meine Seite kommen. Die beste Zahl haben wir hier in der Referrerstatistik einer Webseite. Doch diesen Wert kennen nur wir. Und eine Sichtbarkeits-Währung muss natürlich eine Vergleichbarkeit ermöglichen. Die IVW misst hierfür mit auf teilnehmenden Webseiten eingebauten Pixeln, die dann hoheitlich und offiziell ausgezählt und veröffentlicht werden.

Wie könnten wir hier für die Suche zu Ergebnissen kommen? Schwieriges Thema, denn eine SEO-IVW ist (zum Glüc) nicht in Sicht. Hier muss man wohl mit Algorithmen klar kommen. Diese können schon auch aus Erfahrungen aus Panels kommen, aber da Klickraten pro Themenbereich und Anzeigetexten stark variieren, werden wir immer eine Unsicherheit haben.

Kleine Bemerkung hier zum SEO-Diver: Wenn wir das wirklich gerade für den Longtail eindeutig haben wollen, müsste unser Panel etwa gleich der Grundmenge sein um auch für „Gartenteich Gestaltung im Frühling“ z.B. in Österreich und in Deutschland ein Ergebnis zu zeigen. Da aber die Grundmenge die in diesem Fall die österreichische bzw. deutsche Bevölkerung ist, bin ich – wie gesagt – auf das Panel von Abakus gespannt. Für diesen extremen Longtail sind bisherige Tools noch löchrig, aber 8 Mio Keywords bei Searchmetrics ist schon eine ganze Menge… Abakus verspricht mit 36 Mio Keywords in Deutschland zwar ein Vielfaches – aber werden diese denn auch regelmäßig abgefragt oder sind die in den vergangenen Monaten/Jahren kummuliert? Wir werden sehen.

(Unique) User

Wie viele einzelne Menschen stecken hinter diesen Suchanfragen? Viele User geben in den Suchschlitz „focus“ ein, um auf Focus Online zu kommen. Und das mehrfach im Monat. Andere besuchen mehrfach am Tag Spiegel Online. Wenn wir also wissen möchte, wie viele Menschen unsere Seite besucht haben (und das ist der eigentliche Sinn von „Reichweite“) müssen wir so etwas heraus rechnen. Mehrfachbesucher und Markentraffic müssen aus den Klickergebnissen ausgefiltert werden. Und, hey, das ist heikel.

Die Währung in diesem Sinne ist für Webseitenbetreiber ein recht kompliziertes Verfahren der „AGOF„, das auf technischer IVW-Zählung, Websiteumfragen und Telefon-Befragungen bsiert. Dies ist auch noch nach vielen Jahren durchaus umstritten, in der SEO-Branche sind wir davon Lichtjahre entfernt….

Und? Was ist nun unsere Suchreichweite?

Hört sich schwierig an? Ja, das ist schwierig. Abakus macht mit dem Begriff „Suchreichweite“ echt ein Fass auf. Nun, das Thema ist wichtig für das Suchmaschinen Marketing auf dem Weg zu einer zählbaren und vergleichbaren „Währung“ unserer Arbeit. Deshalb danke an Alan, Uwe und das Abakus-Team.

Aber, wie gesagt: Aber da steht noch eine ganze Menge Diskussion vor uns. Das soll also kein Stänkerposting sein, sondern ich möchte nur den Ball aufgreifen…

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (4)

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